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Progress Not Perfect - Keine Angst, das Leben geht nicht gleich den Bach runter

 

Kennst du das auch, dass nichts was du tust gut genug in deinen Augen ist?

 

Ich habe mir durch mein übertriebenes Anspruchsdenken viele Jahre das Leben selbst sehr schwer gemacht (und mache das heute auch leider manchmal noch). 

 

Der Witz ist, dass ich von mir nicht behaupten kann, dass ich eine High Performance Persönlichkeit aufgrund dessen geworden bin. Andere Perfektionisten können da einiges mehr vorweisen. Aber da sieht man auch, dass Perfektionismus auf jedem Level das Leben unnötig unangenehm machen kann. In meiner recht kleinen Welt hat mein Perfektionismus jedenfalls dafür ausgereicht um mich ohne Ende zu stressen.

 

Woher kommt dieses Bedürfnis nach Perfektion eigentlich?

Ohne große Umschweife, auch das hat seinen Ursprung nach meinen Recherchen wahrscheinlich bei den meisten in der Kindheit. 

Wir lernen als Kinder, dass wir Zuneigung, Aufmerksamkeit oder Anerkennung bekommen, wenn die Leistung stimmt. Ob schulisch, im Sport, in der Rolle als Schwester, Bruder, Tochter, Sohn, Enkelin oder Enkel. Überall da wo gewisse Erwartungen und Anforderungen an uns gestellt wurden lernen wir, wenn wir alles recht machen sind wir wertvoll.

Mittlerweile weiß ich, dass ich in dem Glauben aufgewachsen bin Liebe müsse man sich verdienen in dem man alles richtig macht. Habe ich mal einen Fehler gemacht bekam ich schwere Kritik und Ablehnung. Ich war ein sensibles Kind und um diese schmerzhaften Erfahrungen möglichst zu vermeiden strengte ich mich mehr und mehr an alles richtig zu machen (alles habe ich natürlich nie richtig gemacht, aber genug um eine Daseinsberechtigung zu haben). Damit war jedenfalls der Samen gepflanzt für mein Perfektionsstreben.

 

Perfektion als Schutzstrategie

In Bettina Stahls Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ geht es in einem Kapitel um Perfektionsstreben als Schutzstrategie. Es trifft auf mich vollkommen zu, dass mich diese Strategie ein Stück weit auch geschützt hat vor möglicher Kritik oder anderen Folgen eines Fehlers.

Dabei schützen wir uns eigentlich in erster Linie vor unserer eigenen gnadenlosen Kritik, denn oftmals ist es so, dass es keinen größeren Kritiker als uns selbst gibt.

 

Danke Perfektionismus

So destruktiv diese Strategie sein kann, muss ich die damit verbundenen Eigenschaften trotzdem würdigen. Alles was ich tue, tue ich sehr engagiert. Ich mache die Dinge gründlich um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Ich kann eine gewisse Kraft daraus ziehen um Dinge anzupacken und durchzuhalten. Vieles in meinem Leben hat sich Dank dieser Eigenschaften sehr positiv entwickelt.

Bei Risiken und Nebenwirkungen...

Perfektion bietet Schutz, ermöglicht bestmögliche Ergebnisse zu erzielen uvm., alles gut und schön, wären da nicht diese Nebenwirkungen.

Unter dem Perfektionismus können leider Beziehungen massiv leiden. Die wichtigste Beziehung in unserem Leben - die zu uns selbst - leidet vielleicht am allermeisten, denn wenn man sich mal aufmerksam zuhört, ist man wahrscheinlich schockiert wie man manchmal mit sich selbst spricht. So würde man wahrscheinlich nicht mal mit seinem schlimmsten Feind sprechen.

Das Ding ist, man kann sich dem selbst nicht einfach entziehen. Wir leben ja mit uns bis ans Ende unseres Lebens. 

 

Menschen im Umfeld haben es da leichter. Die haben irgendwann genug von dem Perfektionismus-Freak in ihrem Leben, der selbst auch nicht perfekt ist, egal wie sehr er oder sie sich anstrengt und distanzieren sich über kurz oder lang. 

Weil es Perfektion ja aber gar nicht gibt, was man an irgendeinem Punkt einsehen muss, wenn man nicht einsam sein will, arbeitet man am besten daran, dass man gerne Zeit mit einem verbringt.

 

Auch sonntags gibt es Brötchen

Weil ich kein Perfektions-Freak mehr sein wollte ging ich das Thema vor einiger Zeit gezielt an und ließ zu die Dinge weniger angestrengt zu erledigen. Ha, das war so schrecklich. Es fing mit Kleinigkeiten an, wie mir zu erlauben auch mal was beim Einkaufen vergessen zu dürfen, weil davon geht nämlich nicht die Welt unter. Auch an Sonn- und Feiertagen gibt es irgendwo in der Nähe einen Bäcker, der geöffnet hat, wenn man die Brötchen vergessen hat. Es dauerte bis ich das gut aushalten konnte, aber interessanterweise vergesse ich gar nicht so viel seit dem ich etwas lockerer geworden bin.

 

Irgendwann traute ich mich an Dinge von größerer Tragweite, wie der Freizeitplanung. Ich machte schon noch Pläne (spontan ging einfach nicht von heute auf morgen), aber wo ich sonst alles bis ins letzte Detail plante, überließ ich manches auch schon mehr dem Zufall oder blieb einfach flexibel was die Zeitplanung angeht.

Was sich auch erst fremd und fast bedrohlich anfühlte, gefiel mir immer besser. Ich mochte das Gefühl, das entstand, wenn ich mir erlaubte loszulassen und ins Vertrauen zu gehen.

Oh das Vertrauen. Darüber gibts einen eigenen Beitrag, aber es sei hier kurz auch erwähnt, denn es spielt bei Perfektionismus für mich eine große Rolle. Ein riesiger Teil meines Perfektionismus hatte mit mangelndem Vertrauen in alles zu tun. 

 

Ich bin sicher, dass ich auf dem besten Weg ins Burn-Out war. Anzeichen dafür gab es schon stellenweise, wenn sich die Ereignisse überschlugen und ich außergewöhnlich viele größere Aufgaben in verschiedenen Bereichen meines Lebens zu bewältigen hatte. Gerade dann, wenn alles auf einmal kommt ist es umso wichtiger einen kühlen Kopf zu bewahren und es gar nicht erst zu versuchen alles perfekt zu machen. Die Energie ist anderweitig besser investiert.

Leichter gesagt als getan, aber Übung macht den Meister.

 

Progress Not Perfect

Machen wir uns nichts vor. Absolute Perfektion existiert nicht. Wir können uns selbst immer wieder übertreffen und das dann einen Moment lang für perfekt halten, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass wir so jemals in der Lage sind nachhaltig zufrieden zu sein. Perfektionsstreben bedeutet leider auch, dass es nie gut genug ist. 

 

Es lebt sich unbeschwerter, wenn wir lernen, locker zu lassen und alles an uns und in unserem Leben anzunehmen. Das heißt nicht, dass wir stehen bleiben müssen, aber es heißt, dass wir uns erlauben uns zu entwickeln. Wir müssen nicht mehr perfekt sein, wir dürfen work in progress sein. Sobald wir das können, löst sich das Korsett um unseren Brustkorb und wir können wieder frei atmen. Erst dann merken wir was wir uns da selbst die ganze Zeit angetan haben. 

 

Die Angst, dass in unserem Leben alles den Bach runtergeht, wenn wir aufhören perfekt sein zu wollen, ist aus meiner Erfahrung unbegründet. Ganz im Gegenteil. Jedes Mal, wenn ich loslassen und mich für Authentizität entscheiden konnte, wurde es besser als ich es hätte planen können.

 

Das Leben ist nicht perfekt, aber es ist perfekt so wie es ist.

Du bist perfekt so wie du bist. Du bist genug. Du bist geliebt. Du bist wertvoll. Du bist ein Geschenk. Danke, dass es dich gibt.

 

Deine Jennifer

 

P.S. Achtung, mögliche Tippfehler gehören so. Die Formatierung bleibt leider auch nicht so wie sie soll. Keine Ahnung was da los ist. Egal. Mut zur Imperfektion. ;)

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